Zum Hauptinhalt springen

Was ist generative KI? Einfach erklärt mit Beispielen

Generative KI erzeugt Text, Bild, Video, Audio und Code. So funktioniert sie, welche Modelle es gibt, wo ihre Grenzen liegen und was ein KI-Agent anders macht.

FHFinn Hillebrandt
Zuletzt aktualisiert:
Grundlagen
Was ist generative KI? Einfach erklärt mit Beispielen

Generative KI sind KI-Modelle, die neue Inhalte erzeugen, zum Beispiel Texte, Bilder, Videos, Audio oder Programmcode. Sie haben aus sehr vielen Beispielen gelernt, wie solche Inhalte aufgebaut sind, und bauen daraus auf Zuruf etwas Neues, das den Beispielen ähnelt. Eine klassische KI bewertet oder sortiert dagegen Vorhandenes.

Stell dir jemanden vor, der Tausende Kochbücher gelesen hat. Ein Filter würde Rezepte nur einsortieren („Dessert“ oder „Hauptgericht“). Eine generative KI schreibt dir dagegen ein neues Rezept, das klingt wie aus einem dieser Bücher. Du bittest ChatGPT um ein Rezept mit Kürbis und Feta, und es entsteht ein Text, den es so vorher nicht gab.

1. Generativ oder klassisch: der Unterschied

Viele KI-Systeme, die dir früher begegnet sind, waren klassische Modelle. Sie bekommen etwas vorgelegt und geben ein Urteil zurück. Generative Modelle drehen die Richtung um. Sie bekommen eine Anweisung und liefern den Inhalt selbst. Mehr zur Einordnung im Eintrag Künstliche Intelligenz.

E-Mails
Klassische KI
Erkennt, ob eine Mail Spam ist
Generative KI
Schreibt eine Antwort auf die Mail
Bilder
Klassische KI
Erkennt, ob auf dem Foto ein Hund zu sehen ist
Generative KI
Erzeugt ein Bild eines Hundes aus einer Beschreibung
Sprache
Klassische KI
Wandelt gesprochene Sprache in Text um
Generative KI
Liest einen Text mit natürlicher Stimme vor
Code
Klassische KI
Findet bekannte Fehlermuster im Programm
Generative KI
Schreibt eine neue Funktion nach deiner Beschreibung
Eigene Einordnung
gradually.ai

Die Grenze ist nicht scharf. Auch ein generatives Modell kann Texte bewerten, und viele Systeme kombinieren beides. Entscheidend ist, was am Ende herauskommt, ein Urteil oder ein neuer Inhalt.

2. Wie generative KI funktioniert

Beim Training sieht ein Modell riesige Mengen an Beispielen, etwa Texte, Bilder oder Tonaufnahmen. Es lernt dabei vor allem Muster und nicht einzelne Beispiele Wort für Wort, etwa welche Wörter aufeinander folgen, wie Kanten und Farben in einem Foto zusammenpassen, wie eine Melodie verläuft. Nach dem Training kennt es eine Art Wahrscheinlichkeitslandkarte dessen, was zu einer Anweisung passt.

Beim Erzeugen wird aus dieser Landkarte gezogen. Ein Sprachmodell berechnet für das nächste Token eine Wahrscheinlichkeit und wählt eines aus. Dann wiederholt es das für das übernächste, bis die Antwort fertig ist. Weil dabei gewürfelt wird, kann dieselbe Frage zweimal unterschiedliche Antworten ergeben. Wie stark der Zufall wirkt, steuern Einstellungen wie Temperature und Top-P.

Dazu kommt ein zweiter Baustein. Damit ein Modell mit Text, Bild oder Ton rechnen kann, wird alles in Zahlen übersetzt. Das Prinzip dahinter erklärt der Eintrag zu Embeddings. Technisch zählen alle diese Modelle zum Deep Learning.

2.1 Transformer und Sprachmodelle

Die Architektur hinter den meisten Sprachmodellen heißt Transformer. Sie wurde 2017 in dem Paper „Attention Is All You Need“ vorgestellt. Ihr Kernstück ist ein Aufmerksamkeitsmechanismus, der für jedes Wort einordnet, welche anderen Wörter im Text wichtig sind. Ein Transformer erzeugt Inhalte Stück für Stück. Das klappt bei Text besonders gut, wird aber auch für Bilder und Audio genutzt. Die Familie der großen Sprachmodelle hat ihren eigenen Eintrag. GPT-3 hatte laut seinem Paper von 2020 bereits 175 Milliarden Parameter.

2.2 Diffusionsmodelle

Viele aktuelle Bildgeneratoren arbeiten mit Diffusion. Beim Training wird ein Bild schrittweise mit Rauschen überlagert, und das Modell lernt, diesen Schritt umzukehren. Beim Erzeugen startet es mit reinem Rauschen und entfernt es in vielen kleinen Schritten, gesteuert von deiner Beschreibung, bis ein Bild übrig bleibt. 2020 zeigten Ho, Jain und Abbeel, dass sich damit hochwertige Bilder erzeugen lassen. Der Ansatz der Latent Diffusion von 2021 verlegt den Prozess in einen komprimierten Raum und senkt den Rechenaufwand deutlich.

2.3 GANs

Ein Generative Adversarial Network besteht aus zwei Netzen. Der Generator erzeugt Bilder, der Diskriminator versucht, sie von echten zu unterscheiden. Beide trainieren gegeneinander, bis die Fälschungen kaum noch auffallen. Die Idee stammt von Ian Goodfellow und Kollegen aus dem Jahr 2014 und prägte die erste Welle realistischer KI-Bilder. Bei aktuellen Bildgeneratoren sind Diffusionsmodelle inzwischen verbreiteter.

2.4 Die Stationen im Überblick

Die Zeitleiste zeigt, wie sich das Feld aufgebaut hat:

Juni 2014
Station
GANs (Goodfellow et al.)
Bedeutung
Zwei Netze trainieren gegeneinander und erzeugen realistische Bilder
Juni 2017
Station
Transformer („Attention Is All You Need“)
Bedeutung
Architektur, auf der heutige Sprachmodelle aufbauen
Mai 2020
Station
GPT-3
Bedeutung
Ein Sprachmodell mit 175 Milliarden Parametern löst Aufgaben allein anhand weniger Beispiele im Prompt
Juni 2020
Station
Denoising Diffusion Probabilistic Models
Bedeutung
Diffusion erzeugt Bilder in hoher Qualität
Februar 2021
Station
DALL·E (Ramesh et al.)
Bedeutung
Ein Transformer erzeugt Bilder aus Textbeschreibungen
Dezember 2021
Station
Latent Diffusion Models
Bedeutung
Bilderzeugung im komprimierten Raum, deutlich weniger Rechenaufwand
30. November 2022
Station
ChatGPT
Bedeutung
OpenAI veröffentlicht einen Chatbot, der im Dialog auf Folgefragen eingeht

3. Praxisbeispiel: ein Anliegen, drei Ausgaben

Dasselbe Thema lässt sich mit unterschiedlichen Modellarten bearbeiten. Ein ausgedachtes Beispiel. Du willst deine Kaffeemaschine entkalken und brauchst eine Anleitung, ein Symbol dafür und eine automatische Erinnerung.

Mit einem Sprachmodell als Text:

text
Prompt:
Erkläre in drei kurzen Schritten, wie ich meine Kaffeemaschine entkalke.

Beispielhafte Ausgabe:
1. Entkalker nach Packungsangabe in den Wassertank geben.
2. Das Gemisch ohne Kaffeepulver durchlaufen lassen.
3. Den Tank mit klarem Wasser spülen und zweimal durchlaufen lassen.

Mit einem Bildmodell als Bild:

text
Prompt:
Flaches Piktogramm einer Kaffeemaschine mit einem Wassertropfen, weiß auf blauem Grund.

Ausgabe:
Eine Bilddatei (zum Beispiel PNG). Kein Text, sondern Pixel.

Und mit einem Modell für Code:

python
# Prompt:
# Schreibe eine Python-Funktion, die nach 60 Brühvorgängen
# an das Entkalken erinnert.

# Beispielhafte Ausgabe:
def pruefe_entkalken(bruehvorgaenge: int) -> str:
    if bruehvorgaenge >= 60:
        return "Zeit zum Entkalken."
    return "Alles in Ordnung."

Die Ausgaben sind Illustrationen. Frag dasselbe Modell noch einmal, bekommst du eine andere Formulierung, eine andere Reihenfolge oder ein anderes Bild. Das ist kein Fehler, sondern Teil des Prinzips. Aus der Wahrscheinlichkeitslandkarte wird jedes Mal neu gezogen. Wenn dir die Antwort nicht passt, hilft ein genauerer Prompt mehr als wiederholtes Nachfragen.

4. Welche Modelle es gibt

Unser KI-Modellverzeichnis führt 808 Modellprofile aus den vier großen Ausgabearten. Die Tabelle zeigt, wie sie sich verteilen:

Text (Sprachmodelle)
Profile im Verzeichnis
473
Vergleichen
LLM-Vergleich
Bild
Profile im Verzeichnis
144
Video
Profile im Verzeichnis
103
Audio
Profile im Verzeichnis
88
Eigenes KI-Modellverzeichnis
gradually.ai

Alle Profile findest du im KI-Modellverzeichnis.

5. Grenzen und Missverständnisse

  • „Die KI weiß es.“ Ein generatives Modell sagt vorher, was plausibel klingt, nicht was stimmt. Deshalb entstehen Halluzinationen, etwa erfundene Quellen, falsche Zahlen und glatt formulierte Fehler. Prüfe Fakten, die du weiterverwendest.
  • „Das Modell schlägt nach.“ Von sich aus tut es das nicht. Wissen aus dem Training hat einen Stichtag, mehr dazu unter Knowledge Cutoff Date. Zugriff auf aktuelle oder private Quellen bekommt es erst durch Zusätze wie RAG.
  • „Es ist alles echt.“ Generierte Bilder, Stimmen und Videos können echte Aufnahmen täuschend nachahmen. Der EU AI Act verlangt deshalb, dass Anbieter die Ausgaben generativer Systeme maschinenlesbar als künstlich erzeugt kennzeichnen, und dass Betreiber Deepfakes offenlegen. Das steht in Artikel 50. Mehr zum Rahmen im Eintrag AI Governance.
  • „Generative KI ist ein Agent.“ Ein Modell, das antwortet, handelt nicht. Erst ein KI-Agent nutzt es in einer Schleife mit Werkzeugen, um ein Ziel zu erreichen.
  • „Das Ergebnis gehört automatisch mir.“ Ob und wie generierte Inhalte geschützt sind und wie die Trainingsdaten einzuordnen sind, hängt vom Land und vom Einzelfall ab. Für geschäftliche Nutzung lohnt ein Blick in die Nutzungsbedingungen des Anbieters.

6. Was heißt das für dich?

  • Nutze generative KI als Entwurfswerkzeug. Sie ist stark bei Rohfassungen, Varianten und Umformulierungen. Die Verantwortung für das Ergebnis bleibt bei dir.
  • Wähle die Modellart nach der Aufgabe. Text braucht ein Sprachmodell, ein Logo ein Bildmodell. Im Verzeichnis findest du Vergleiche für jede Art.
  • Gib genaue Anweisungen. Je klarer Aufgabe, Format und Beispiel im Prompt stehen, desto brauchbarer die Ausgabe.
  • Prüfe, bevor du veröffentlichst. Besonders bei Zahlen, Zitaten und Quellen. Und kennzeichne KI-Inhalte dort, wo es Pflicht ist oder wo Leser sonst getäuscht werden könnten.
  • Fang mit dem Gratis-Tarif an. Wenn du merkst, dass du ihn ständig ausreizt, lohnt sich der Blick auf die Tarife. Aktuelle Zahlen zur Verbreitung sammeln wir in den KI-Statistiken.

Häufig gestellte Fragen

Generative KI sind KI-Modelle, die neue Inhalte erzeugen, zum Beispiel Texte, Bilder, Videos, Musik, Sprache oder Programmcode. Das Modell hat aus sehr vielen Beispielen gelernt, wie solche Inhalte typischerweise aufgebaut sind, und erzeugt auf dieser Grundlage etwas Neues, das den Beispielen ähnelt. Typische Beispiele sind Chatbots wie ChatGPT, Bildgeneratoren wie Midjourney oder Sprachsynthese. Eine klassische KI dagegen sortiert oder bewertet Vorhandenes, etwa einen Spamfilter.

Nach der Ausgabe unterscheidet man Text, Bild, Video, Audio (Sprache und Musik) und Code. Nach der Technik gibt es vor allem drei Familien. Transformer sagen Inhalte Stück für Stück vorher (die meisten großen Sprachmodelle). Diffusionsmodelle arbeiten ein Bild aus Rauschen heraus. Die älteren GANs bestehen aus zwei gegeneinander trainierten Netzen. In der Praxis mischen aktuelle Systeme die Techniken.

Ja. ChatGPT ist ein Chatbot, der auf einem Sprachmodell aufbaut, und Sprachmodelle sind generative KI für Text. OpenAI hat ChatGPT am 30. November 2022 als Forschungsvorschau veröffentlicht. Der Begriff „ChatGPT“ meint dabei die App, das Sprachmodell dahinter ist ein eigenes Produkt. Je nach Version kann die App auch Bilder erzeugen oder per Sprache antworten.

Generative Modelle sind älter als der aktuelle Boom. Einen Meilenstein setzten 2014 die GANs, 2017 folgte die Transformer-Architektur, 2020 GPT-3 und die ersten starken Diffusionsmodelle, 2021 DALL·E. In der breiten Öffentlichkeit angekommen ist generative KI am 30. November 2022 mit ChatGPT.

Generative KI beschreibt, was ein Modell kann, nämlich Inhalte erzeugen. Agentic AI beschreibt, wie ein System arbeitet. Es verfolgt ein Ziel, plant Schritte, nutzt Werkzeuge und prüft Zwischenergebnisse. Ein KI-Agent baut deshalb meist auf einem generativen Modell auf, das in jedem Schritt entscheidet, was als Nächstes passiert. Das Modell allein antwortet, der Agent handelt.

Ja, viele Anbieter haben Gratis-Tarife. Sie sind aber begrenzt, meist bei der Zahl der Anfragen oder Bilder, bei der Modellauswahl oder bei einzelnen Funktionen. Welche Grenzen gerade gelten, ändern die Anbieter regelmäßig. Zum Ausprobieren reicht ein Gratis-Tarif oft aus, für täglichen Einsatz stoßen viele an die Limits. Einen Überblick über Tarife findest du im KI-Abo-Vergleich.
Quellen und Referenzen
FH

Finn Hillebrandt

KI-Experte & Blogger

Finn Hillebrandt ist der Gründer von Gradually AI, SEO- und KI-Experte. Er hilft Online-Unternehmern, ihre Prozesse und ihr Marketing mit KI zu vereinfachen und zu automatisieren. Finn teilt sein Wissen hier auf dem Blog in 50+ Fachartikeln sowie über den KI Business Club.

Erfahre mehr über Finn und das Team, folge Finn bei LinkedIn, tritt seiner Facebook-Gruppe zu ChatGPT, OpenAI & KI-Tools bei oder mache es wie 17.500+ andere und abonniere seinen KI-Newsletter mit Tipps, News und Angeboten rund um KI-Tools und Online-Business. Besuche auch seinen anderen Blog, Blogmojo, auf dem es um WordPress, Bloggen und SEO geht.