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Temperature, Top-P, Top-K und Penalties erklärt

Was Temperature, Top-P, Top-K, Min-P und Penalties bei KI-Modellen bewirken, mit Rechenbeispiel, Startwerten und den Reglern, die aktuelle Modelle sperren.

FHFinn Hillebrandt
Zuletzt aktualisiert:
Grundlagen
Temperature, Top-P, Top-K und Penalties erklärt

Sampling-Parameter wie Temperature, Top-P und Top-K steuern, wie ein Sprachmodell aus den möglichen nächsten Wörtern eines auswählt. Sie bestimmen, ob Antworten konstant und vorhersehbar oder abwechslungsreich und überraschend ausfallen. Die Penalties dämpfen zusätzlich Wiederholungen.

Stell dir gezinkte Würfel vor. Das Modell würfelt bei jedem Wort, und die Parameter verändern die Würfel. Mit einer niedrigen Temperature fällt fast immer die gleiche Seite. Mit einer hohen liegen alle Seiten nahe beieinander. Nimm den Satzanfang „Der Himmel ist“. Mit niedriger Temperature folgt fast sicher „blau“, mit hoher manchmal auch „rot“.

Das Ganze betrifft dich nur, wenn du ein Modell über eine API oder einen Playground bedienst. In ChatGPT und Claude.ai gibt es diese Regler nicht, dazu mehr im vorletzten Abschnitt. Und bei einigen aktuellen Modellen sind sie sogar gesperrt.

1. So wählt ein Modell das nächste Wort

Ein Sprachmodell berechnet für jedes mögliche nächste Token eine Wahrscheinlichkeit. Danach wird aus diesen Kandidaten gezogen, und genau an dieser Stelle greifen die Parameter ein. In vielen Implementierungen läuft das in dieser Reihenfolge ab, die Einzelheiten unterscheiden sich je nach Software.

  1. Die Penalties verändern die Werte von Tokens, die schon im Text vorkamen.
  2. Die Temperature macht die Verteilung flacher oder spitzer.
  3. Top-K, Top-P oder Min-P streichen unwahrscheinliche Kandidaten.
  4. Aus den übrigen Kandidaten wird zufällig gezogen, gewichtet nach ihrer Wahrscheinlichkeit.

Das Rechenbeispiel nutzt vier Kandidaten für das Wort nach „Der Himmel ist“. Die Ausgangswerte sind erfunden und dienen nur der Illustration, die Rechnung dahinter ist echt. Zuerst die Temperature.

Temperature 0,2
blau99,3 %
grau0,7 %
klar0 %
rot0 %
Temperature 1
blau64,4 %
grau23,7 %
klar8,7 %
rot3,2 %
Temperature 2
blau45,5 %
grau27,6 %
klar16,7 %
rot10,2 %
Rechenbeispiel mit erfundenen Ausgangswerten. Bei 0,2 gewinnt „blau“ fast sicher, bei 2 sind alle Kandidaten im Rennen.

2. Temperature

Die Temperature teilt die Rohwerte der Kandidaten, bevor daraus Wahrscheinlichkeiten werden. Ein Wert unter 1 macht die Verteilung spitzer, ein Wert über 1 macht sie flacher. Das siehst du oben an den drei Balkengruppen.

Als Startwerte, nicht als feste Regel, eignen sich diese Bereiche. Die ideale Einstellung hängt vom Modell ab.

Fakten, Extraktion, Code
Temperature
0 bis 0,3
Hinweis
Konstante Antworten sind wichtiger als Abwechslung.
Allgemeine Texte, Chat
Temperature
etwa 0,7
Hinweis
Guter Mittelweg aus Natürlichkeit und Verlässlichkeit.
Kreatives Schreiben, Brainstorming
Temperature
0,9 bis 1,2
Hinweis
Mehr Abwechslung, dafür häufiger Ausreißer. Werte über 1,5 sind selten sinnvoll.
Praxis-Startwerte, nicht Anbieter-Vorgaben
gradually.ai

Die folgende Tabelle zeigt beispielhaft, wie sich ein Satz bei verschiedenen Werten verändert. Die Texte sind zur Illustration geschrieben und stammen nicht aus einem echten Lauf.

Wie sich der Output verändert

Ziehe den Regler, um den Effekt zu sehen

NiedrigAktueller Wert: 1.0Hoch
02

"Die Sonne taucht wie ein brennender Phoenix in das Meer aus Wolken, während der Himmel in ekstatischen Farben explodiert."

Sehr kreativ, intensiv

Prompt:"Beschreibe einen Sonnenuntergang in einem Satz."
Empfohlener Bereich:0-0.3 für Fakten und Code, etwa 0.7 für allgemeine Texte, um 1.0 für Kreatives
Werte über 1.5 führen oft zu inkohärenten oder unbrauchbaren Ergebnissen.

3. Top-P, Top-K und Min-P

Diese drei Regler streichen unwahrscheinliche Kandidaten, bevor gezogen wird. Danach werden die übrigen Wahrscheinlichkeiten wieder auf 100 % hochgerechnet.

  • Top-K behält die K wahrscheinlichsten Wörter. Die Zahl ist fest, egal wie sicher sich das Modell ist.
  • Top-P (Nucleus Sampling, Holtzman et al., 2019) behält die kleinste Gruppe von Wörtern, deren Wahrscheinlichkeiten zusammen mindestens P ergeben. Bei P = 0,9 bleiben so viele Wörter übrig, bis sie 90 % abdecken. Ist sich das Modell sicher, sind es wenige. Ist es unsicher, sind es mehr.
  • Min-P (Nguyen et al., 2024) behält alle Wörter, deren Wahrscheinlichkeit mindestens einen festen Anteil der Wahrscheinlichkeit des Spitzenkandidaten erreicht. Die Schwelle wandert also mit der Sicherheit des Modells mit. Min-P findest du vor allem bei lokal laufenden Modellen.

Hier siehst du die drei Filter am selben Beispiel bei Temperature 1. Durchgestrichene Wörter fallen weg, die übrigen Werte sind neu berechnet.

Top-K = 2
blau73,1 %
grau26,9 %
klar0 %
rot0 %
Top-P = 0,9
blau66,5 %
grau24,5 %
klar9 %
rot0 %
Min-P = 0,1
blau66,5 %
grau24,5 %
klar9 %
rot0 %
Rechenbeispiel mit erfundenen Ausgangswerten. Top-P 0,9 behält drei Wörter, weil „blau“ und „grau“ zusammen erst 88 % erreichen.

Üblich ist, nur einen der Regler zu verändern, entweder die Temperature oder Top-P. Wenn du beide verstellst, kannst du nicht mehr sagen, welcher Regler eine Änderung ausgelöst hat. Die Anschauungstabellen unten zeigen den Effekt von Top-P und Top-K. Auch sie sind illustrierte Beispiele.

Wie sich der Output verändert

Ziehe den Regler, um den Effekt zu sehen

NiedrigAktueller Wert: 0.5Hoch
01

"Der Himmel ist blau aufgrund eines physikalischen Phänomens namens Rayleigh-Streuung, bei dem kürzere Wellenlängen des Lichts stärker gestreut werden."

Ausgewogen, informativ

Prompt:"Erkläre, warum der Himmel blau ist."
Empfohlener Bereich:0.8-0.95 (oder Standard 1.0 belassen)
Wie sich der Output verändert

Ziehe den Regler, um den Effekt zu sehen

NiedrigAktueller Wert: 20Hoch
1100

"Papaya, Granatapfel, Litschi."

Ungewöhnlichere Auswahl

Prompt:"Nenne drei Früchte."
Empfohlener Bereich:10-50 für ausgewogene Ergebnisse

4. Frequency Penalty, Presence Penalty und repeat_penalty

Die Penalties senken die Werte von Tokens, die schon im Text vorkamen, meist noch bevor die Temperature angewendet wird.

  • Frequency Penalty bestraft ein Token umso stärker, je häufiger es schon vorkam. Hohe Werte nahe 2 führen zu weniger Wiederholungen, können aber gestelzt klingen.
  • Presence Penalty bestraft ein Token schon dafür, dass es überhaupt vorkam, unabhängig von der Häufigkeit. Das Modell greift dann eher neue Themen auf.
  • repeat_penalty ist das Gegenstück bei lokal laufenden Modellen, zum Beispiel in llama.cpp. Dort bedeutet 1,0 keine Strafe, und Werte darüber dämpfen Wiederholungen.

Auch hier gilt, dass du nur einen der beiden Penalty-Regler verändern solltest. Die Tabellen zeigen die Wirkung an Beispieltexten.

Wie sich der Output verändert

Ziehe den Regler, um den Effekt zu sehen

NiedrigAktueller Wert: 1.0Hoch
02

"Treue Vierbeiner bereichern das menschliche Dasein. Pelzige Gefährten erfreuen sich an Bewegung und schenken bedingungslose Zuneigung."

Aktiv verschiedene Wörter

Prompt:"Schreibe einen kurzen Text über Hunde."
Empfohlener Bereich:0.0-0.8 für natürlichen Text
Werte über 1.5 führen oft zu inkohärenten oder unbrauchbaren Ergebnissen.
Wie sich der Output verändert

Ziehe den Regler, um den Effekt zu sehen

NiedrigAktueller Wert: 1.0Hoch
02

"Mobilität prägt unsere moderne Gesellschaft. Dabei spielen auch Nachhaltigkeit und ökologischer Fußabdruck eine wichtige Rolle."

Verwandte Themen

Prompt:"Erzähle etwas über das Thema Reisen."
Empfohlener Bereich:0.0-0.6 für fokussierte Antworten
Werte über 1.5 führen oft zu inkohärenten oder unbrauchbaren Ergebnissen.

5. Warum Temperature 0 nicht immer dasselbe liefert

Bei Temperature 0 wählt das Modell eigentlich immer das wahrscheinlichste Wort. Trotzdem kann dieselbe Anfrage zweimal verschiedene Antworten liefern. Horace He und das Team von Thinking Machines haben 2025 gezeigt, woran das liegt. Die Rechenkerne auf der GPU sind nicht batch-invariant, ihre Rechenreihenfolge ändert sich mit der Zahl der gleichzeitigen Anfragen auf dem Server. Winzige Rundungsunterschiede reichen, damit bei zwei fast gleich wahrscheinlichen Wörtern ein anderes gewinnt.

Für dich heißt das, dass Temperature 0 die Streuung stark senkt, aber keine Wiederholbarkeit garantiert. Manche APIs bieten zusätzlich einen Seed-Parameter an. Er verbessert die Wiederholbarkeit, garantiert sie aber ebenfalls nicht. Wenn exakt gleiche Ergebnisse wichtig sind, speichere die Antworten, statt sie neu zu erzeugen.

6. Gesperrte Regler bei aktuellen Modellen

Bei neuen Modellen kannst du die Regler oft nicht mehr setzen. Anthropic verlangt für Claude Opus 5.5, dass du Temperature, Top-P und Top-K weglässt. Gesteuert wird das Verhalten über den Prompt und den Effort-Parameter. Bei OpenAIs GPT-6-Modellen müssen temperature, top_p und top_logprobs entfernt werden, sobald der Reasoning-Effort nicht auf none steht. Bei GPT-6 Astra und GPT-6.1 Sol gilt das immer, weil sie none nicht unterstützen.

Die Übersicht zeigt den Stand der Dokumentation. Die Unterstützung ändert sich von Modell zu Modell, schau deshalb bei jedem Wechsel in die Dokumentation.

Temperature
Gemini API
Modellabhängig
Claude API
Claude Opus 5.5: weglassen. Ältere Modelle: ja
OpenAI API
Bei GPT-6 nur ohne Reasoning (Effort none)
Top P
Gemini API
Modellabhängig
Claude API
Claude Opus 5.5: weglassen. Ältere Modelle: ja
OpenAI API
Bei GPT-6 nur ohne Reasoning (Effort none)
Top K
Gemini API
Modellabhängig
Claude API
Claude Opus 5.5: weglassen. Ältere Modelle: ja
OpenAI API
Nicht vorhanden
Frequency Penalty
Gemini API
Modellabhängig
Claude API
Nicht vorhanden
OpenAI API
In der API-Referenz vorhanden, für GPT-6 nicht gesondert dokumentiert
Presence Penalty
Gemini API
Modellabhängig
Claude API
Nicht vorhanden
OpenAI API
In der API-Referenz vorhanden, für GPT-6 nicht gesondert dokumentiert
Anbieter-Dokumentation, geprüft 4.11.2026
gradually.ai

7. Was du in ChatGPT und Claude.ai tun kannst

In den Chat-Oberflächen von ChatGPT und Claude.ai gibt es keine Regler für Temperature oder Top-P. Du steuerst die Wirkung über die Anweisung.

  • Für konstante Antworten: Bitte um knappe, sachliche Antworten ohne Ausschmückung und gib ein festes Format vor.
  • Für Abwechslung: Bitte um fünf unterschiedliche Varianten, die sich im Ton klar unterscheiden, und wähle die beste aus.
  • Für Tiefe: Bei Reasoning-Modellen steuerst du den Aufwand über die Einstellung zum Nachdenken, nicht über die Temperature.

Mehr dazu, wie du Anweisungen formulierst, findest du im Eintrag zum Prompt und zum System-Prompt.

8. Was heißt das für dich?

  • Ändere immer nur einen Regler. Sonst weißt du nicht, was die Änderung bewirkt hat.
  • Starte mit der Temperature. Top-P, Top-K und die Penalties sind Feinjustierung.
  • Lies die Doku des Modells. Bei neuen Modellen ist der Regler möglicherweise gesperrt, und ein Aufruf mit gesperrtem Parameter kann einen Fehler liefern.
  • Erwarte bei Temperature 0 keine Garantie. Speichere Ergebnisse, die sich nicht ändern dürfen.
  • Steuere über den Prompt, wenn Regler fehlen. Das gilt für Chat-Oberflächen und für Modelle mit gesperrten Parametern.

Häufig gestellte Fragen

Die Temperature steuert, wie stark das Modell zufällig aus den möglichen nächsten Wörtern wählt. Bei niedrigen Werten gewinnt fast immer das wahrscheinlichste Wort, die Antworten werden konstant und vorhersehbar. Bei hohen Werten kommen auch unwahrscheinlichere Wörter vor, der Text wird abwechslungsreicher und unberechenbarer.

Top-p begrenzt die Auswahl auf die kleinste Gruppe von Wörtern, deren Wahrscheinlichkeiten zusammen mindestens den Wert p erreichen. Bei p = 0,9 bleiben so viele der wahrscheinlichsten Wörter übrig, bis sie zusammen 90 % abdecken, der Rest fällt weg. Die Zahl der Kandidaten passt sich dabei der Situation an.

Die Temperature verändert die Wahrscheinlichkeiten selbst, indem sie die Verteilung glättet oder zuspitzt. Top-p lässt die Verhältnisse stehen und streicht stattdessen das unwahrscheinliche Ende der Liste. Üblich ist, nur einen der beiden Regler zu verändern, damit du die Wirkung nachvollziehen kannst.

Als Startwerte eignen sich für Fakten und Code etwa 0 bis 0,3, für allgemeine Texte rund 0,7 und für kreative Aufgaben um 1,0. Die ideale Einstellung hängt vom Modell ab, probiere sie deshalb mit deinen eigenen Aufgaben aus. Bei einigen aktuellen Modellen kannst du die Temperature gar nicht mehr setzen.

Beide verringern Wiederholungen. Die Frequency Penalty bestraft ein Wort umso stärker, je häufiger es schon vorkam. Die Presence Penalty bestraft ein Wort schon dafür, dass es überhaupt vorkam, und lenkt das Modell damit eher auf neue Themen. Claude bietet diese Parameter nicht an.
Quellen und Referenzen
FH

Finn Hillebrandt

KI-Experte & Blogger

Finn Hillebrandt ist der Gründer von Gradually AI, SEO- und KI-Experte. Er hilft Online-Unternehmern, ihre Prozesse und ihr Marketing mit KI zu vereinfachen und zu automatisieren. Finn teilt sein Wissen hier auf dem Blog in 50+ Fachartikeln sowie über den KI Business Club.

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