Wann geht Anthropic an die Börse?
Einen festen Termin gibt es noch nicht. Aber der Börsengang ist so nah wie nie. Am 26. Oktober 2026 hat das Unternehmen hinter Claude den S-1 bei der US-Börsenaufsicht SEC eingereicht. Die Aktie soll an der Nasdaq unter dem Kürzel ANT gehandelt werden.
Medien nennen die zweite Novemberhälfte als Ziel für den Handelsstart. Laut Wall Street Journal will Anthropic dabei mindestens 100 Mrd. $ einsammeln, bei einer Bewertung von 1,5 bis 2 Bio. $.
Damit wäre der Anthropic-Börsengang noch größer als der von SpaceX.
Hier erfährst du, welche Schritte bis zum Handelsstart fehlen, ob du die Aktie zeichnen kannst und was der S-1 über Umsatz und Verluste verrät. Das Wichtigste vorab:
- Anthropic hat am 26. Oktober 2026 den S-1 eingereicht. Geplant ist die Notierung an der Nasdaq unter dem Kürzel ANT
- Ein offizieller Termin fehlt. Medien nennen die zweite Novemberhälfte 2026, vorher müssen Preisspanne und Aktienzahl feststehen
- Laut Wall Street Journal könnte Anthropic mindestens 100 Mrd. $ bei einer Bewertung von 1,5 bis 2 Bio. $ einsammeln. Die letzte bestätigte Bewertung liegt bei 965 Mrd. $
- Im ersten Halbjahr 2026 machte Anthropic 16,3 Mrd. $ Umsatz, 14-mal so viel wie ein Jahr zuvor
1. Wann geht Anthropic an die Börse?
Anthropic hat den Börsengang in zwei Schritten vorbereitet. Am 1. Juni 2026 ging ein vertraulicher S-1-Entwurf an die SEC. Am 26. Oktober folgte die öffentliche Fassung. S-1 ist das Registrierungsformular, mit dem ein Unternehmen seine Aktien bei der SEC anmeldet.
Bis zum ersten Handelstag fehlen noch drei Schritte:
- Preisspanne: Anthropic muss in einer geänderten Fassung des S-1 festlegen, wie viele Aktien es zu welchem Preisrahmen anbietet. Erst danach beginnt die Roadshow, auf der die Banken Großinvestoren das Angebot vorstellen.
- Wirksamkeit: Die SEC muss die Registrierung für wirksam erklären. Vorher darf Anthropic keine Kaufangebote annehmen.
- Preisfestsetzung und Handelsstart: Am Abend vor dem ersten Handelstag wird der Ausgabepreis festgelegt. Danach ist die Aktie unter ANT an der Nasdaq handelbar.
Das Wall Street Journal berichtete im September von einem Zieltermin im November. Neuere Berichte nennen die zweite Novemberhälfte. Anthropic selbst bestätigt keinen Termin.
Wie schnell es nach dem öffentlichen S-1 gehen kann, zeigt SpaceX. Dort lagen zwischen der Veröffentlichung am 20. Mai und dem Handelsstart am 12. Juni 2026 gut drei Wochen.
2. Anthropic-IPO auf einen Blick
Die wichtigsten Eckdaten zum geplanten Börsengang:
Als Anlaufstellen für den vorläufigen Prospekt nennt Anthropic in der Ankündigung vom 26. Oktober Goldman Sachs und Morgan Stanley. Emissionsvolumen und Zielbewertung stammen aus einem Bericht des Wall Street Journal, den Anthropic nicht bestätigt hat.
3. Anthropic-Aktie kaufen oder zeichnen
Kaufen kannst du die Anthropic-Aktie noch nicht. Es gibt aber zwei Wege, die nach dem S-1 interessant werden.
3.1 Anthropic-Aktie zeichnen
Zeichnen heißt, dass du vor dem Handelsstart ein Kaufangebot zum späteren Ausgabepreis abgibst. Das geht erst, wenn Anthropic die Preisspanne veröffentlicht hat. Ob dein Broker eine Zeichnung für diesen US-Börsengang anbietet, steht in dessen Angeboten für Neuemissionen.
Allerdings:
Eine Zuteilung ist nie sicher. Laut SEC-Anlegerinformation können Broker zwar Zugang zu Börsengängen bieten, eine Zuteilung aber nicht garantieren. Bei einer stark überzeichneten Emission bekommen Privatanleger oft nur einen kleinen Teil oder gar nichts.
3.2 Kauf nach dem Handelsstart
Für die meisten ist der Kauf ab dem ersten Handelstag der einfachste Weg. Du suchst im Depot nach dem Kürzel ANT und prüfst die angezeigte Kennung. Am ersten Tag schwanken die Kurse oft stark, bei SpaceX lag der Schlusskurs 19 % über dem Ausgabepreis.
Daneben gibt es Wege über private Zweitmärkte und Fonds, die eigene Zugangsregeln haben:
Wenn du Girokonto und Depot bei derselben Bank führen möchtest, kannst du dir auch den DKB-Broker ansehen. Die DKB bietet nach eigenen Angaben mehr als 20.000 deutsche und internationale Aktien sowie Zugang zu wichtigen internationalen Börsenplätzen.
Prüfe vor jeder Order, ob die konkrete Aktie im Depot verfügbar ist und welche Kosten am gewünschten Handelsplatz anfallen.
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4. Der Weg an die Börse
Dario und Daniela Amodei haben Anthropic 2021 zusammen mit fünf weiteren ehemaligen OpenAI-Mitarbeitern gegründet, aus Sorge um die KI-Sicherheit. Fünf Jahre später steht das Unternehmen vor einem der größten Börsengänge der Geschichte:
Mehr Hintergrund zu Modellen, Benchmarks und Nutzung findest du in meinen Claude-Statistiken.
5. Bewertung: von 61,5 Mrd. $ auf bis zu 2 Bio. $
Zwischen der Series E im März 2025 und der Series H im Mai 2026 stieg Anthropics private Bewertung von 61,5 Mrd. $ auf 965 Mrd. $. Das entspricht etwa dem 15,7-Fachen in 14 Monaten.
Beim Börsengang könnte sich die Bewertung noch einmal verdoppeln. Das Wall Street Journal nennt eine Zielspanne von 1,5 bis 2 Bio. $. Bei der Series H meldete Anthropic eine annualisierte Umsatzrate von mehr als 47 Mrd. $. Gemessen daran lag die Bewertung im Mai beim rund 20,5-Fachen dieser Rate.
6. Finanzierung und Investoren
Allein in den vier Runden E bis H hat Anthropic 111,5 Mrd. $ eingesammelt. Die Series H war mit 65 Mrd. $ die größte davon.
Einen Weltrekord stellte die Series H trotzdem nicht auf. OpenAI meldete am 31. März 2026 eine Runde mit 122 Mrd. $ zugesagtem Kapital. Welche Investoren die Series H angeführt haben, nennt Anthropic in der Mitteilung vom 28. Mai 2026:
Amazon hat laut Ankündigung vom 20. April insgesamt 13 Mrd. $ investiert und kann später bis zu 20 Mrd. $ nachlegen. Zugleich gehören Amazon, Google und Microsoft zu Anthropics wichtigsten Infrastrukturpartnern. Claude läuft über AWS Bedrock, Google Cloud Vertex AI und Microsoft Foundry.
7. Umsatz und Verluste im S-1
Mit dem öffentlichen S-1 gibt es erstmals geprüfte Zahlen. Im ersten Halbjahr 2026 machte Anthropic 16,286 Mrd. $ Umsatz. Ein Jahr zuvor waren es 1,163 Mrd. $:
Vor dem S-1 hat Anthropic seine annualisierte Umsatzrate mehrfach selbst genannt. Diese Rate rechnet das Geschäft eines kurzen Zeitraums auf ein Jahr hoch. „Mehr als“-Werte sind Untergrenzen:
Das Problem ist:
Umsatz allein sagt wenig über den Gewinn. Im ersten Halbjahr 2026 stand ein operativer Verlust von 693 Mio. $. Der Nettoverlust lag sogar bei 80,7 Mrd. $:
Der riesige Nettoverlust stammt zu fast 90 % aus Bewertungseffekten. Steigt Anthropics Wert, werden Wandelanleihen, Derivate und SAFEs (Vorab-Finanzierungen, die später in Aktien umgewandelt werden) teurer. Diese 72,4 Mrd. $ sind ein Buchungsaufwand ohne Geldabfluss. Aussagekräftiger ist der operative Verlust, der im Verhältnis zum Umsatz klein ausfällt.
8. Woher Anthropics Umsatz kommt
Der S-1 unterscheidet nach Abrechnungsmodell. Im ersten Halbjahr 2026 stammten rund 80 % aus verbrauchsabhängigen Erlösen, etwa über die API, und 20 % aus Abonnements:
Die Kategorien laufen quer zu den Produkten API, Claude.ai und Claude Code. Ein Produkt kann also sowohl Abonnementgebühren als auch zusätzliche verbrauchsabhängige Erlöse bringen.
9. Großkunden und Umsatzkonzentration
Zum 30. September 2026 zählte Anthropic über 1.900 Kunden, die in den vorangegangenen zwölf Monaten jeweils mindestens 1 Mio. $ Umsatz gebracht haben. Die drei Gruppen sind ineinander enthalten, ein Kunde mit 10 Mio. $ zählt also auch in den beiden unteren Schwellen:
Im dritten Quartal 2026 entfielen rund 79 % des Umsatzes auf Kunden außerhalb der fünf größten. Für die ersten neun Monate meldete Anthropic keinen einzelnen Kunden mit mehr als 10 % Umsatzanteil. Das begrenzt die Abhängigkeit von einzelnen Kunden.
10. Rechenverträge und Kapazitätszusagen
Ein Großteil des Börsengeldes dürfte in Rechenleistung fließen. Anthropic hat dafür Verträge mit AWS, Microsoft und NVIDIA, Google und Broadcom sowie SpaceX angekündigt. Die Mitteilungen nennen teils Dollarbeträge, teils Gigawatt, deshalb steht die Auswahl in einer Tabelle:
Bei AWS nutzte Anthropic laut April-Mitteilung bereits mehr als eine Million Trainium2-Chips. Bei solchen Verträgen bezahlt Anthropic für Infrastruktur. Sie schaffen also langfristige Zahlungsverpflichtungen, keine zusätzliche Finanzierung.
11. Anthropic, OpenAI und SpaceX im Vergleich
Mit seiner Series-H-Bewertung von 965 Mrd. $ hatte Anthropic OpenAI im Mai überholt. Gelingt der Börsengang am oberen Ende der berichteten Spanne, käme Anthropic auf einen ähnlichen Wert wie SpaceX an der Börse. Die Grafik trennt bestätigte Bewertungen von berichteten Zielen:
OpenAI hat einen Börsengang 2026 ausgeschlossen und verhandelt stattdessen über eine weitere private Runde. Mehr dazu findest du in meinen Artikeln zum OpenAI-IPO und zum SpaceX-IPO.
12. Risiken für Anleger
Starkes Umsatzwachstum heißt noch nicht, dass die Aktie zum Ausgabepreis günstig ist. Diese Punkte solltest du vor einem Kauf kennen:
- Bewertung: Bei 2 Bio. $ läge die Bewertung beim rund 60-Fachen des auf ein Jahr hochgerechneten Halbjahresumsatzes. Ein schwächeres Wachstum würde den Kurs schnell treffen.
- Wettbewerb: Neue Modelle der Konkurrenz und sinkende Nutzungspreise können Nachfrage und Margen schmälern.
- Kapitalbedarf: Die Rechenverträge binden Anthropic über Jahre. Das laufende Geschäft deckt diese Ausgaben noch nicht.
- Stimmrechte: Laut S-1 soll die Gründer-LLC über eine besondere Aktie 50,1 % der allgemeinen Stimmrechte halten. Der Long-Term Benefit Trust bestimmt grundsätzlich die Mehrheit des Verwaltungsrats. Als Börsenaktionär hast du damit kaum Einfluss.
- Marktumfeld: Ein schwacher Markt kann Preis und Zeitplan verschieben. Bei SpaceX schloss die Aktie fünf Wochen nach dem Börsengang erstmals unter dem Ausgabepreis.
Laut S-1 hat Anthropic dem Anthropic Public Benefit Fund bereits Aktien der Klasse N übertragen. Sie entsprechen 5 % der vollständig verwässerten Aktienzahl zum 30. Juni 2026. Weitere Zuteilungen sind unter festgelegten Bedingungen möglich.
Für eine Kaufentscheidung zählen der endgültige Prospekt, der tatsächliche Ausgabepreis und dein eigenes Verlustrisiko. Investiere nur Geld, dessen Verlust du verkraften kannst.






