Im Frühjahr 2023, wenige Monate nach dem Start von ChatGPT, setzte Nvidia 7,19 Milliarden USD pro Quartal um. Heute sind es 81,6 Milliarden. Mehr als das Elffache, in nur drei Jahren.
Kein Unternehmen hat vom KI-Boom so direkt profitiert wie Nvidia. Für diesen Artikel habe ich die Quartalsberichte der letzten drei Jahre, den aktuellen Geschäftsbericht und die wichtigsten Marktdaten durchgearbeitet und die spannendsten Zahlen, Daten und Fakten zusammengetragen. Von der Umsatzexplosion über die Marktkapitalisierung bis zu den Risiken, über die weniger gesprochen wird.
- Nvidia setzte im Quartal von Februar bis April 2026 81,6 Mrd. USD um (+85 % im Jahresvergleich). Im Geschäftsjahr bis Januar 2026 waren es 215,9 Mrd. USD Umsatz und 120,1 Mrd. USD Nettogewinn
- Mit einem Rekordhoch von 5,5 Bio. USD Marktkapitalisierung (Mai 2026) ist Nvidia das wertvollste Unternehmen der Welt. Die 4-Bio.-Marke knackte es im Juli 2025 als erstes Unternehmen überhaupt
- 92 % des Umsatzes kommen inzwischen aus dem Data-Center-Geschäft, und allein zwei Kunden stehen für 36 % des Gesamtumsatzes. Die Kehrseite der KI-Dominanz
1. Unternehmensüberblick & Meilensteine
Nvidia wurde am 5. April 1993 von Jensen Huang, Chris Malachowsky und Curtis Priem gegründet. Der Legende nach entstand die Idee in einem Denny's-Diner in Kalifornien. Über 30 Jahre später führt Huang das Unternehmen immer noch, als dienstältester CEO der großen Tech-Konzerne.
1.1. Die wichtigsten Eckdaten
Drei Zahlen zeigen die Dimension, in der sich Nvidia inzwischen bewegt:
Die wichtigsten Fakten im Überblick:
1.2. Meilensteine von 1993 bis 2026
Vom Grafikkarten-Hersteller für Gamer zum Rückgrat der KI-Industrie. Die wichtigsten Etappen:
Der aus meiner Sicht wichtigste Meilenstein ist dabei nicht die Billionen-Bewertung, sondern CUDA. Seit 2006 baut Nvidia an der Software-Plattform, mit der sich GPUs für allgemeine Berechnungen nutzen lassen. Als der Deep-Learning-Boom kam, war das gesamte Ökosystem längst auf Nvidia eingeschworen. Dieser Burggraben ist bis heute der Hauptgrund, warum Konkurrenten so schwer aufholen.
2. Umsatzentwicklung
Nvidias Umsatzkurve seit 2023 ist die vielleicht steilste Wachstumsgeschichte, die ein Unternehmen dieser Größe je hingelegt hat.
2.1. Quartalsumsätze seit 2023
Die Zahlen sprechen für sich. Innerhalb von drei Jahren hat sich der Quartalsumsatz mehr als verzehnfacht:
Besonders bemerkenswert finde ich den Sprung von April 2023 (7,19 Mrd. USD) auf Juli 2023 (13,51 Mrd. USD). Fast eine Verdopplung in einem einzigen Quartal. Das war der Moment, in dem der ChatGPT-Effekt zum ersten Mal voll in Nvidias Büchern ankam.
Und das Wachstum beschleunigt sich wieder:
Von Februar bis April 2026 setzte Nvidia 81,6 Mrd. USD um, 85 % mehr als im Vorjahreszeitraum und 20 % mehr als im Quartal davor. Dieses eine Quartal brachte damit mehr Umsatz als das gesamte Geschäftsjahr von Februar 2023 bis Januar 2024 (60,9 Mrd. USD).
2.2. Geschäftsjahr 2026: 215,9 Milliarden USD
Im Geschäftsjahr 2026 (Februar 2025 bis Januar 2026) kam Nvidia auf 215,9 Mrd. USD Umsatz, ein Plus von 65 % gegenüber dem Vorjahr. Davon blieben 120,1 Mrd. USD als Nettogewinn (GAAP) übrig.
Lass die Zahl kurz sacken:
Über 120 Milliarden USD Gewinn in einem Jahr. Mehr als der Umsatz der meisten DAX-Konzerne. Und trotzdem wirkt die Bewertung an der Börse sportlich, dazu später mehr.
3. Umsatz nach Segment: Vom Gaming- zum KI-Konzern
Wer bei Nvidia noch an Grafikkarten für Gamer denkt, unterschätzt den Wandel des Unternehmens dramatisch. Die Segmentzahlen zeigen das schwarz auf weiß.
3.1. Das Data Center dominiert alles
Im Quartal von November 2025 bis Januar 2026, dem letzten unter der alten Segmentstruktur, setzte sich der Umsatz so zusammen:
62,3 von 68,1 Mrd. USD kamen aus dem Data-Center-Geschäft, also aus KI-Chips und der zugehörigen Infrastruktur. Das sind 91,5 %. Gaming, einst das Kerngeschäft, steuerte nur noch 3,7 Mrd. USD bei, und der Rest verteilt sich auf Workstations, Autos und OEM-Geschäft.
3.2. Die neue Segmentstruktur seit 2026
Seit dem Quartal von Februar bis April 2026 berichtet Nvidia nur noch zwei Segmente: Data Center und Edge Computing. Gaming, Workstations und Automotive verschwinden in der Sammelkategorie Edge. Deutlicher kann ein Unternehmen kaum machen, was sein Kerngeschäft ist.
Interessant ist der Blick in die Details:
Von den 75,2 Mrd. USD Data-Center-Umsatz entfielen 60,4 Mrd. auf Compute (also die eigentlichen KI-Chips) und 14,8 Mrd. auf Networking. Allein Nvidias Netzwerk-Sparte, größtenteils das Erbe der Mellanox-Übernahme von 2020, ist damit größer als das gesamte Data-Center-Geschäft von AMD.
3.3. Der Wandel in einem Bild
Wie schnell sich Nvidias Geschäftsmodell gedreht hat, zeigt der direkte Vergleich der Umsatzanteile:
Im Frühjahr 2023 machte das Data Center 59,5 % des Umsatzes aus. Keine drei Jahre später sind es 91,5 %. Nvidia ist heute faktisch ein reiner KI-Infrastruktur-Konzern mit angeschlossener Gaming-Abteilung.
4. Profitabilität: Margen, von denen andere träumen
Wachstum ist das eine. Was Nvidia wirklich besonders macht, ist die Kombination aus Wachstum und Profitabilität.
Die GAAP-Bruttomarge lag zuletzt bei 74,9 % und bewegt sich seit zwei Jahren zwischen 73 und 78 %. Von jedem umgesetzten Dollar bleiben also rund 75 Cent übrig, bevor Forschung, Vertrieb und Verwaltung bezahlt sind. Für ein Hardware-Unternehmen ist das ein absurd guter Wert, klassische Chiphersteller liegen oft bei 40 bis 60 %.
Der Ausreißer nach unten im Frühjahr 2025 (60,5 %) hat übrigens eine konkrete Ursache:
Die US-Exportkontrollen für den China-Chip H20 zwangen Nvidia zu einer Sonderabschreibung von 4,5 Mrd. USD auf unverkäufliches Inventar. Ohne diesen Einmaleffekt hätte die Marge auch damals bei über 71 % gelegen. Mehr zum China-Geschäft in Sektion 7.
Beim Nettogewinn wird die Dimension noch deutlicher:
Im Quartal von Februar bis April 2026 verdiente Nvidia 58,3 Mrd. USD (GAAP), ein Plus von 211 % gegenüber dem Vorjahr.
5. Marktkapitalisierung: Das wertvollste Unternehmen der Welt
An der Börse hat Nvidia in den letzten drei Jahren jede historische Vergleichsmarke pulverisiert.
5.1. Von 1 auf 5,5 Billionen in drei Jahren
Von der 1- zur 3-Billionen-Marke brauchte Nvidia gut zwölf Monate. Von dort bis zum Rekordhoch von 5,5 Billionen USD dauerte es dann keine zwei Jahre.
5.2. Die wertvollsten Unternehmen im Vergleich
Nach einem ersten kurzen Gipfel im Januar 2025, den der DeepSeek-Ausverkauf nach wenigen Tagen beendete, ist Nvidia seit dem 3. Juni 2025 durchgehend das wertvollste Unternehmen der Welt. So sieht die Spitzengruppe aktuell aus:
Apple hat sich nach einer Kursrally im Juli 2026 klar auf Platz 2 geschoben, vor Alphabet. Der Abstand von Nvidia zu Microsoft, das den Spitzenplatz jahrelang fast abonniert hatte, beträgt inzwischen gut 2 Billionen USD. Und ja: Nvidia allein ist an der Börse fast so viel wert wie Microsoft und Amazon zusammen.
6. Marktanteile: Dominanz auf zwei Märkten
Nvidias Marktposition lässt sich auf zwei Ebenen betrachten: bei Gaming-Grafikkarten und bei KI-Beschleunigern für Rechenzentren.
6.1. Gaming-GPUs: 90 % Marktanteil
Bei diskreten Grafikkarten (also eigenständigen GPUs, nicht in den Prozessor integriert) ist der Markt praktisch entschieden:
Rund 90 % aller im ersten Quartal 2026 ausgelieferten diskreten Grafikkarten kamen von Nvidia (insgesamt wurden ca. 11,8 Millionen Stück ausgeliefert). AMD hält etwa 8 %, Intel spielt mit rund 1 % kaum eine Rolle. Je nach Quartal schwanken die Werte etwas, an den Verhältnissen ändert das nichts.
6.2. KI-Beschleuniger: Schätzungen zwischen 80 und 85 %
Für den viel wichtigeren Markt der Data-Center-KI-Chips gibt es keine offizielle Statistik, nur Analysten-Schätzungen. Die gängigen Zahlen sehen Nvidia bei rund 80 bis 85 % Umsatzanteil und AMD bei etwa 5 bis 7 %; für Googles hauseigene TPUs und Amazons Trainium existieren keine belastbar publizierten Marktanteile.
Diese Werte stammen allerdings aus Marktanalysen ohne offengelegte Methodik, ich würde sie nur als grobe Richtwerte lesen. Das Gesamtbild bestätigen aber auch die harten Zahlen aus den Geschäftsberichten, wie der Konkurrenzvergleich in Sektion 10 zeigt.
7. China & Exportkontrollen: Das 4,5-Milliarden-Problem
Kaum ein Thema hat Nvidias Zahlen in den letzten anderthalb Jahren so durchgeschüttelt wie die US-Exportkontrollen für China.
Die Chronologie:
Das Ergebnis dieser Politik ist bemerkenswert:
Chinas Anteil an Nvidias Umsatz fiel im Geschäftsjahr bis Januar 2026 auf rund 9 %. Die im August 2025 erteilten H20-Lizenzen brachten laut CFO Colette Kress gerade einmal rund 50 Millionen USD Umsatz, ein Rundungsfehler in Nvidias Büchern. Faktisch hat Nvidia den chinesischen KI-Chip-Markt abgeschrieben und wächst trotzdem mit 85 % pro Jahr.
8. Produkte: Hopper, Blackwell, Rubin
Seit 2022 liefert Nvidia im Jahresrhythmus eine neue Chip-Architektur. Die Roadmap:
Die im März 2026 vorgestellte Rubin-Architektur zeigt, wohin die Reise geht: 336 Milliarden Transistoren (1,6-mal so viele wie Blackwell), 288 GB HBM4-Speicher und 22 TB/s Speicherbandbreite, fast das Dreifache von Blackwell. Das erste Vera-Rubin-Rack läuft bereits bei Microsoft Azure.
Blackwell bleibt trotzdem 2026 der Umsatztreiber. Analysten erwarten, dass die Architektur rund 70 % von Nvidias High-End-GPU-Auslieferungen ausmacht. Der Auftragsbestand von Berichten zufolge 3,6 Millionen B200/GB200-Einheiten war Ende 2025 bis Mitte 2026 ausverkauft.
9. Kunden & Abhängigkeiten
Hier wird es aus meiner Sicht am spannendsten. Denn Nvidias größte Stärke ist zugleich das größte Risiko.
9.1. Zwei Kunden, 36 % des Umsatzes
Laut Geschäftsbericht standen im Geschäftsjahr bis Januar 2026 zwei Direktkunden für 36 % von Nvidias Gesamtumsatz. Im Quartal bis Oktober 2025 wies Nvidia sogar vier Direktkunden mit jeweils über 10 % Umsatzanteil aus:
Die vier größten Direktkunden kamen damit zusammen auf 61 % des Umsatzes (Stand: Herbst 2025). Nvidia nennt keine Namen. Dass es sich im Kern um die großen Hyperscaler und KI-Labore handelt, gilt in der Branche aber als offenes Geheimnis.
9.2. Die Hyperscaler investieren wie nie
Wie lange kann das gutgehen? Die Investitionspläne der vier größten Cloud-Konzerne für 2026 geben eine Antwort:
Zusammen kommen die vier Konzerne nach ihrer aktuellen Guidance (Stand April 2026) auf rund 725 Mrd. USD für 2026, 77 % mehr als die etwa 410 Mrd. USD im Jahr 2025. Ein erheblicher Teil davon fließt direkt oder indirekt in Nvidia-Hardware. Solange dieser Capex-Zyklus läuft, läuft auch Nvidias Wachstum. Was dieser Ausbau für Stromnetze und Emissionen bedeutet, zeige ich in meinen KI-Energieverbrauch-Statistiken.
10. Konkurrenz: AMD holt auf, aber der Abstand bleibt gewaltig
AMD ist im Data-Center-Geschäft der wichtigste direkte Konkurrent und wächst selbst beeindruckend schnell. Nur eben von einem völlig anderen Niveau aus:
AMDs gesamtes Data-Center-Segment (Server-CPUs plus KI-Beschleuniger) setzte im Quartal bis März 2026 5,8 Mrd. USD um, ein Plus von 57 %. Nvidias Data-Center-Sparte erlöste im nahezu selben Zeitraum 75,2 Mrd. USD. Das ist das 13-Fache.
Die spannendere Konkurrenz kommt womöglich von den eigenen Kunden:
Google (TPU) und Amazon (Trainium) entwickeln eigene KI-Chips, um die Abhängigkeit von Nvidia zu reduzieren. Beide setzen ihre Chips primär intern ein, veröffentlichen aber keine Umsatzzahlen. Der Effekt bleibt vorerst begrenzt, das Ökosystem rund um CUDA und die schiere Liefergeschwindigkeit halten Nvidia im Vorteil.
11. Nvidia als KI-Investor
Nvidia verkauft nicht nur an die KI-Branche, es finanziert sie inzwischen auch. Die drei größten Beteiligungen:
Die 30 Mrd. USD für OpenAI (finalisiert im Februar 2026) sind dabei schon die abgespeckte Version. Seit September 2025 stand eine Absichtserklärung über bis zu 100 Mrd. USD im Raum, die Anfang 2026 auf die 30 Mrd. zusammenschrumpfte. Die 10 Mrd. USD für Anthropic wurden im November 2025 zusammen mit einer 5-Mrd.-USD-Investition von Microsoft angekündigt.
Jensen Huang selbst deutete im März 2026 an, dass die OpenAI-Beteiligung „möglicherweise die letzte“ dieser Größenordnung war, und bezog das laut Medienberichten auch auf die Anthropic-Beteiligung. Seine Begründung dafür klingt plausibel. Sobald OpenAI und Anthropic an die Börse gehen, schließen sich solche Frühphasen-Gelegenheiten.
Kritiker sehen in diesen Deals allerdings ein strukturelles Problem:
Nvidia investiert Milliarden in Unternehmen, die das Geld zu großen Teilen wieder für Nvidia-Hardware ausgeben. Diese zirkuläre Dynamik bläht das Umsatzwachstum der gesamten Branche auf, ohne dass von außen frisches Geld fließt. Wie das gesamte Investitionsgeflecht der KI-Branche aussieht, zeige ich in meinem Artikel KI-Statistiken.
12. Team & Führung
Jensen Huang führt Nvidia seit der Gründung 1993. Kein anderer der großen Tech-Konzerne wird noch von einem Gründer aus den 90ern geführt.
Zum Ende des Geschäftsjahres im Januar 2026 beschäftigte Nvidia rund 42.000 Vollzeitkräfte in den USA und 37 weiteren Ländern, etwa 6.000 mehr als ein Jahr zuvor. Für einen Konzern dieser Größe ist das erstaunlich wenig:
Pro Mitarbeiter erwirtschaftete Nvidia im Geschäftsjahr 2026 gut 5,1 Mio. USD Umsatz und rund 2,9 Mio. USD Nettogewinn. Microsoft, Google und Apple beschäftigen jeweils ein Vielfaches an Personal. Nvidias Geschäftsmodell (Chips entwickeln, Fertigung an TSMC auslagern) skaliert fast ohne zusätzliche Köpfe.
13. Fazit: Beeindruckend, aber nicht ohne Risiken
Die nackten Zahlen sind historisch einmalig. 81,6 Mrd. USD Quartalsumsatz, 75 % Bruttomarge, eine Marktkapitalisierung von rund 5 Billionen USD, 90 % Marktanteil bei Gaming-GPUs und geschätzt über 80 % bei KI-Beschleunigern. Nvidia ist das profitabelste Wachstumsunternehmen, das die Tech-Geschichte bisher gesehen hat.
Drei Risiken solltest du trotzdem im Blick behalten, wenn du die Zahlen einordnen willst:
Erstens die Kundenkonzentration. Zwei Kunden stehen für 36 % des Jahresumsatzes, vier standen zuletzt für 61 % eines Quartalsumsatzes. Kürzt auch nur einer der großen Hyperscaler sein KI-Budget, schlägt das sofort durch. Zweitens die zirkulären Investment-Strukturen, bei denen Nvidias eigenes Kapital einen Teil der Nachfrage nach Nvidia-Chips finanziert. Und drittens die Geopolitik: Das China-Geschäft ist bereits weitgehend verloren, weitere Exportkontrollen bleiben ein Damoklesschwert.
Für die KI-Branche insgesamt bleibt Nvidia trotzdem der wichtigste Gradmesser. Solange die Quartalszahlen so aussehen wie zuletzt, ist das oft ausgerufene Ende des KI-Booms Stand heute nirgendwo in den Daten zu sehen. Wie sich die Modelle selbst entwickeln, kannst du in meinen LLM-Statistiken nachlesen.






